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Faith‑Breaker‑Klauseln in Deutschland

Öffentliches Evidenzdossier über administrative Ausgrenzung und Glaubensfreiheit.

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Öffentliches Evidenzdossier · Deutschland · EU‑Grundrechte

Die verborgenen Glaubenstests

Ein öffentliches Evidenzdossier über deutsche Faith‑Breaker‑Klauseln: Verwaltungserklärungen, die Menschen unter Druck setzen, jede Verbindung zu Scientology zu verneinen, um Zugang zu Arbeit, öffentlichen Aufträgen, Fördermitteln oder schulbezogenen Möglichkeiten zu erhalten.

Auszug aus der Erklärung

„Ich erkläre, dass ich die Technologie von L. Ron Hubbard nicht anwende, lehre oder verbreite; dass ich keine Kurse oder Seminare auf Grundlage dieser Technologie besuche; und dass dies für Mitarbeiter und Subunternehmer gilt.“

3,959dokumentierte TED‑Ausschreibungen
Jan. 2014 – 2 Jun. 2026
668%Anstieg von 2014 bis 2024
81 → 621 Ausschreibungen
621Spitzenjahr 2024
zwei Jahre nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
30Jahre seit Ursprung in Hamburg
1995 → 2025
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Erklärung in einfacher Sprache

Was ist eine Faith-Breaker-Klausel?

Eine Faith-Breaker-Klausel ist eine Verwaltungserklärung, die eine Person, einen Auftragnehmer, einen Beschäftigten oder einen Antragsteller dazu bringt, eine Verbindung zu einer benannten Glaubensgemeinschaft als Bedingung für öffentliche Chancen zu verneinen.

Neutrale Schutzregel

Regelt Verhalten

Eine Behörde kann Rechtmäßigkeit, Arbeitsrechtskonformität, Vertraulichkeit, Kinderschutz, Korruptionsbekämpfung, berufliche Leistungsfähigkeit und Nichtdiskriminierung verlangen.

Faith-Breaker-Klausel

Prüft Identität oder Zugehörigkeit

Sie verlangt negative Erklärungen über eine benannte Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft, einschließlich Lehre, Kursteilnahme, Verbreitung oder Zugehörigkeit.

Kernbefund

Ein Diskriminierungsmechanismus in Verwaltungssprache versteckt

Eine neutrale Regel würde Proselytismus, Zwang, Diskriminierung oder Missbrauch eines öffentlichen Arbeitsplatzes durch jeden verbieten. Eine Faith‑Breaker‑Klausel tut etwas anderes: Sie benennt eine Glaubensgemeinschaft und verlangt eine negative Erklärung der Nicht‑Zugehörigkeit, Nicht‑Teilnahme, Nicht‑Anwendung und teils Nicht‑Beschäftigung.

Nennen wir es beim Namen.

Dies ist keine gewöhnliche Schutzsprache. Es ist ein Instrument zur Identifizierung und Ausgrenzung aufgrund von Glauben. Bei Vergaben, Fördermitteln, Schuldiensten oder Beschäftigung ist die Forderung, sich von einer benannten religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaft loszusagen, bürokratische religiöse Diskriminierung.

Datennachweis

Der Anstieg nach dem Verbot

TED‑Vergaberecherchen identifizieren tausende deutsche Bekanntmachungen mit ausdrücklichen Scientology‑Bezügen. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Der stärkste Anstieg erfolgte, nachdem deutsche Gerichte die Praxis bereits verurteilt hatten.

Was ist TED?

TED — Tenders Electronic Daily — ist die offizielle Online-Datenbank der EU, in der öffentliche Vergabebekanntmachungen oberhalb der EU‑Schwellenwerte veröffentlicht werden. Seine Bedeutung ist beweisrechtlich: Wenn eine diskriminierende Klausel in TED erscheint, ist sie kein Gerücht und keine private Anekdote, sondern in offiziellen Vergabeunterlagen sichtbar.

+668%

Anstieg von 2014 bis 2024

3,959

dokumentierte Ausschreibungen oberhalb der EU‑Schwellenwerte

63,1%

der erfassten Reihe entfielen auf 2021 bis 2025

2024

Rekordspitze: 621 Ausschreibungen

201481
2015156
2016173
2017163
2018215
2019284
2020294
2021370
2022Urteil des Bundesverwaltungsgerichts432
2023464
2024Höchststand621
2025514
2026bis 4. Jun125

Note: Da nur Aufträge oberhalb der EU‑Schwellenwerte in TED erscheinen, kann die tatsächliche Zahl von Faith‑Breaker‑Klauseln in lokalen und kleineren Verträgen deutlich höher sein.

Was änderte sich nach 2022?

Das Urteil führte nicht zur Befolgung

2022432

Ausschreibungen im Jahr des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts

2024621

Rekordwert zwei Jahre nach der verfassungsrechtlichen Entscheidung

Anstieg+44.2%

Vergleich nach dem Urteil

Primärbeweise

Die Formulare selbst

Der Wortlaut zeigt, warum diese Erklärungen nicht als neutrale Compliance‑Klauseln behandelt werden können.

Bayern / München‑Vorlage

Eine Erklärung, die Mitarbeiter erfasst

„Ich bin kein Mitglied der Scientology‑Organisation; ich verwende die Technologie von L. Ron Hubbard nicht; ich besuche keine Kurse oder Seminare; keiner meiner Mitarbeiter tut dies.“

Dies erweitert den Loyalitätstest vom Bieter oder Auftragnehmer auf Mitarbeiter und drängt private Arbeitgeber zur Überwachung von Glauben und Zugehörigkeit am Arbeitsplatz.

Hamburg / Berlin‑Vorlage

Ein Glaubenstest in der Lieferkette

„Ich wende, lehre oder verbreite keine Inhalte oder Methoden von L. Ron Hubbard; ich besuche keine Kurse; dies gilt für alle beteiligten Mitarbeiter und Subunternehmer.“

Dies macht Vergabeunterlagen zu einem Mechanismus der Glaubensprüfung über Subunternehmer, Personal und Dienstleister hinweg.

Pestalozzi / Schulformular

Ein Schulvertrag mit Ideologieklausel

„Ich erkläre, dass ich nicht nach der Technologie von L. Ron Hubbard arbeite… und dass ich die Technologie von L. Ron Hubbard ablehne.“

Im aktuellen Fall erscheint die Klausel neben gewöhnlichen Vertragsbestimmungen und Masernschutz. Dadurch wird der Gegensatz zwischen legitimer neutraler Regelung und glaubensbezogener Ausgrenzung besonders deutlich.

Aktueller Fall

Ein öffentlich finanziertes Schulservice-Beispiel in Hamburg

Der aktuelle Fall verankert die Frage in einem konkreten heutigen Kontext: Ein junger Bewerber sollte Faith‑Breaker‑Erklärungen unterschreiben, bevor er in schulbezogenen Aktivitäten arbeiten durfte, die von einem privaten Träger mit öffentlichen Mitteln in Hamburg betrieben werden.

Der Aussteller

Die ausstellende Organisation beschreibt sich als evangelische Einrichtung für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen. Sie betreibt Schulbetreuungs- und Sozialdienste in Zusammenarbeit mit öffentlichen Behörden.

Der öffentliche Finanzierungsbezug

Dies ist nicht einfach eine private Vorliebe innerhalb eines privaten Vereins. Der Träger erbringt schulbezogene und Jugendhilfeleistungen, die von öffentlichen Stellen, einschließlich der Freien und Hansestadt Hamburg, finanziert oder beauftragt werden.

Der Schulvertragskontext

Das Vertragspaket enthält gewöhnliche Bestimmungen wie Kündigung, Gerichtsstand und Masernschutz. Neben diesen neutralen Klauseln erscheint eine Scientology‑spezifische Erklärung.

Warum es noch schwerer wiegt

Wenn ein privater Träger öffentlich finanzierte Schuldienste betreibt, wird Glaubensprüfung nicht weniger problematisch. Sie wird schwerwiegender, weil öffentliche Mittel und Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen an eine negative Glaubenserklärung geknüpft werden.

Das Beweisproblem

Wenn ein öffentlich finanziertes Schulservice-Umfeld Arbeit von einer solchen Erklärung abhängig macht, ist die Frage keine private Vorliebe mehr. Sie wird zu einem Problem des öffentlichen Rechts, der Gleichbehandlung und der Grundrechte.

RECHTSANALYSE

Eine Klausel, mehrere Rechtsverstöße

Das rechtliche Problem ist nicht ein unvollkommenes Formular. Es ist ein staatlich gestützter Prüfmechanismus, der Zugang zu Verträgen, Förderungen und Arbeit nutzt, um eine glaubensbezogene Frage zu stellen, die der Staat rechtlich nicht stellen muss.

Grundgesetz Gleichheit und Glaubensfreiheit

Artikel 3 und 4 GG verbieten Ungleichbehandlung und erzwungene Offenlegung von Glauben.

EU-Vergaberecht Gleichbehandlung der Bieter

Directive 2014/24/EU lists lawful exclusion grounds and requires equal treatment, transparency, proportionality and non-discrimination. A condition requiring non-association with one named belief community is not a neutral suitability criterion and is difficult to reconcile with those requirements.

EU-Grundrechtecharta Religion, Privatsphäre und Nichtdiskriminierung

Artikel 7, 10 und 21 schützen Glauben, Privatleben und gleichen Zugang zum öffentlichen Wirtschaftsleben.

DSGVO Religiöse Daten besonderer Kategorie

Die Erklärungen verarbeiten glaubensbezogene Daten ohne gültige, frei erteilte Rechtsgrundlage.

Gleichbehandlung im Beschäftigungsbereich Beschäftigte und Subunternehmer

Schwere Varianten verwandeln Vergabe in Glaubensprüfung von Beschäftigten und Lieferketten.

OSZE/ODIHR Staatliche Neutralität und Sicherheit

Sicherheitsmaßnahmen müssen evidenzbasiert, verhältnismäßig und verhaltensbezogen sein, nicht identitätsbezogen.

Grundgesetz · Arts. 3 & 4 GG

Verfassungsrechtliche Gleichheit und Glaubensfreiheit

Regel

Regel: Öffentliche Behörden müssen Personen gleich behandeln und dürfen sie nicht wegen ihres Glaubens, ihrer religiösen Meinung oder Weltanschauung benachteiligen. Artikel 4 schützt sowohl die Glaubensfreiheit als auch die negative Freiheit, den eigenen Glauben nicht offenlegen oder widerrufen zu müssen.

Verstoß

Verstoß: Faith-Breaker-Klauseln verlangen von Bietern, Förderempfängern oder Arbeitnehmern eine negative Erklärung über eine namentlich benannte Religionsgemeinschaft. Das ist keine neutrale Eignungsprüfung, sondern eine glaubensbezogene Ungleichbehandlung.

Beweise

Beleg: Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVerwG 8 C 9.21 bezeichnete die Praxis als unzulässige Differenzierung und als gezielten Eingriff in die negative Glaubensfreiheit.

Folge

Folge: Der Zugang zu öffentlichen Leistungen und Verträgen wird von religiöser Distanzierung abhängig gemacht, selbst wenn kein individuelles Fehlverhalten nachgewiesen ist.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Deutschland sollte eine verbindliche Stopp-Anordnung erlassen und alle glaubensbezogenen Vorlagen durch religionsneutrale, verhaltensbezogene Vertragsklauseln ersetzen.

EU-Vergaberecht · Richtlinie 2014/24/EU

Gleichbehandlung ist eine Vergaberegel, keine Dekoration

Regel

Regel: Artikel 18 verlangt Gleichbehandlung, Transparenz, Verhältnismäßigkeit und Nichtdiskriminierung. Artikel 57 nennt die Ausschlussgründe; Religionszugehörigkeit gehört nicht dazu.

Verstoß

Verstoß: Die Klauseln fügen eine zusätzliche Eignungsbedingung hinzu, die auf Scientology-bezogenen Glauben, Lehre oder Verbindung zielt. Diese Bedingung steht in keinem Zusammenhang mit technischer Leistungsfähigkeit, beruflicher Zuverlässigkeit oder Vertragserfüllung.

Beweise

Beleg: TED-Bekanntmachungen und beigefügte Formulare zeigen, dass die Erklärung nach dem Urteil von 2022 weiter als Eignungs- oder Vertragsbedingung verwendet wurde.

Folge

Folge: Die öffentliche Auftragsvergabe wird verzerrt, weil geeignete Wirtschaftsteilnehmer aus einem glaubensbezogenen Grund ausgesiebt werden können, den das EU-Vergaberecht nicht zulässt.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Die Europäische Kommission sollte ein Vertragsverletzungsverfahren prüfen und verlangen, dass operative Ausschlussbedingungen in TED sichtbar sind und nicht in Anhängen verborgen werden.

EU-Grundrechtecharta · Arts. 7, 10 & 21

Grundrechte gelten auch im Vergabeverfahren

Regel

Regel: Wenn Mitgliedstaaten EU-Vergaberecht anwenden, gilt die EU-Grundrechtecharta. Artikel 10 schützt Religion oder Weltanschauung; Artikel 21 verbietet Diskriminierung; Artikel 7 schützt das Privatleben.

Verstoß

Verstoß: Eine Erklärung, die danach fragt, ob eine Person ein namentlich benanntes Glaubenssystem nutzt, lehrt, verbreitet oder damit verbunden ist, greift zugleich in Glauben, Privatsphäre und Gleichbehandlung ein.

Beweise

Beleg: Die Formulare fragen nicht nach konkretem Fehlverhalten. Sie verlangen Distanzierung von Scientology-bezogener Identität, Lehre, Kursen oder Methoden.

Folge

Folge: Der Staat schafft zwei Klassen von Bietern und Arbeitnehmern: diejenigen, die die religiöse Verneinung unterschreiben können, und diejenigen, die ausgeschlossen werden, weil ihr Gewissen die Unterschrift verhindert.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Nachprüfungsstellen und Gerichte sollten diese Klauseln als unmittelbare Grundrechtsfragen behandeln, nicht als gewöhnliche Verwaltungsformulare.

DSGVO · Arts. 5 & 9

Religiöse Daten dürfen nicht routinemäßig erhoben werden

Regel

Regel: Personenbezogene Daten, aus denen religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen hervorgehen, sind besondere Kategorien personenbezogener Daten. Ihre Verarbeitung benötigt eine gültige Rechtsgrundlage und muss Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung und Erforderlichkeit erfüllen.

Verstoß

Verstoß: Die Erklärungen erheben oder lassen glaubensbezogene Informationen als Bedingung für den Zugang zu einem Vertrag, einer Förderung oder einer Stelle erkennen. Eine Einwilligung ist nicht freiwillig, wenn die Verweigerung den Ausschluss von öffentlichen Chancen bedeutet.

Beweise

Beleg: Schwere Formulare erstrecken die Erklärung auf Beschäftigte, Subunternehmer und während der Leistung eingesetzte Personen und vervielfachen dadurch das Datenschutzproblem entlang der Lieferkette.

Folge

Folge: Öffentliche Behörden und Auftragnehmer riskieren, rechtswidrige Datensätze zu religiösen Informationen ohne Erforderlichkeit oder Verhältnismäßigkeit zu erstellen und aufzubewahren.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Datenschutzbehörden sollten ermitteln, die Aufbewahrung rechtswidriger Erklärungen stoppen und die Löschung von Datensätzen anordnen, die durch Glaubensscreening erhoben wurden.

AGG / Beschäftigung · Richtlinie 2000/78/EG

Die Klausel wandert vom Unternehmen zum Arbeitnehmer

Regel

Regel: Das arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsrecht verbietet Diskriminierung wegen Religion oder Weltanschauung und schützt Arbeitnehmer vor Druck, Glauben als Arbeitsbedingung offenzulegen oder aufzugeben.

Verstoß

Verstoß: Varianten nach bayerischem oder Hamburger Muster sowie Personalentfernungsklauseln verlangen von Unternehmen, die Überzeugungen, Kurse oder Verbindungen von Beschäftigten und Subunternehmern zu bescheinigen oder zu überwachen.

Beweise

Beleg: Das Dokument identifiziert Varianten, die Auftragnehmer verpflichten, Personal während der Leistung auszuschließen, wenn es einschlägige Kurse besucht oder die Zieltechnologie nutzt.

Folge

Folge: Der Staat zwingt private Arbeitgeber indirekt zu einem religiösen Screening, das er selbst rechtmäßig nicht unmittelbar auferlegen könnte.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Arbeits- und Gleichstellungsbehörden sollten die Zertifizierung von Arbeitnehmerüberzeugungen verbieten und Beschäftigte schützen, die eine Unterschrift oder Offenlegung glaubensbezogener Informationen verweigern.

OSZE/ODIHR · FoRB + Sicherheitsleitlinien

Neutralität und evidenzbasierte Sicherheit

Regel

Regel: OSZE/ODIHR-Standards verlangen staatliche Neutralität, Nichtdiskriminierung und Sicherheitsmaßnahmen auf Grundlage nachweisbaren Verhaltens, nicht von Stereotypen über eine Religions- oder Glaubensgemeinschaft.

Verstoß

Verstoß: Faith-Breaker-Klauseln zielen auf eine namentlich benannte Glaubensgemeinschaft und verlangen negative Erklärungen zu Identität, Lehre, Kursbesuch oder Verbreitung, selbst ohne individuelle Belege für Fehlverhalten.

Beweise

Beleg: Deutsche Gerichtsentscheidungen stellten nach Jahren der Überwachung keine tatsächlichen Anhaltspunkte beziehungsweise „nichts Ersichtliches“ fest; dennoch bestanden die Vorlagen fort und die TED-Zahlen stiegen nach dem verfassungsrechtlichen Urteil.

Folge

Folge: Ein Verwaltungsformular wird zu einem öffentlichen Signal, dass eine Glaubensgemeinschaft mutmaßlich verdächtig ist, und fördert Ausgrenzung im privaten Sektor sowie Selbstzensur.

Erforderliche Reaktion

Erforderliche Reaktion: Deutschland sollte identitätsbezogene Beschränkungen beenden und ausschließlich religionsneutrale Pflichten verwenden: Rechtmäßigkeit, arbeitsrechtliche Einhaltung, Korruptionsbekämpfung, Vertraulichkeit, Leistungserfüllung und Nichtdiskriminierung.

Das Scheitern der Verhältnismäßigkeit

Rechtmäßiges verhaltensbezogenes Modell

Eine öffentliche Stelle darf von allen Auftragnehmern verlangen, dass sie Recht, Arbeitsstandards, Vertraulichkeit, Antikorruptionsregeln, berufliche Zuverlässigkeit, Kinderschutzpflichten und Nichtdiskriminierungspflichten einhalten.

Unzulässiges Faith-Breaker-Modell

Eine öffentliche Stelle darf von einem Bieter, Arbeitnehmer oder Unterauftragnehmer nicht verlangen, die Verbindung zu einer namentlich genannten Religion oder Weltanschauung zu verneinen, und darf öffentliche Chancen nicht von einer solchen Verneinung abhängig machen.

Gerichtsurteile

Die Rechtslage ist nicht mehrdeutig

A stronger evidence page should show that the factual and constitutional premises have already been tested in court.

2005

BVerwG 7 C 20.04

Hamburg was not authorised to promote pre-drafted declarations designed to make business partners disclose or deny ties to Scientology.

2020

Stuttgart Admin Court

The court found no factual indicators of anti-constitutional activity over the examined period.

2021

VGH 8 S 1886/20

After reviewing surveillance material, the court found “nothing evident” individually or organisationally and rejected blanket presumptions.

2021

Bavarian grant case

Exclusion from a public benefit on this basis was condemned as unjustified interference with religious freedom and equal treatment.

2022

BVerwG 8 C 9.21

The Federal Administrative Court held that conditioning a public benefit on a Scientology-related declaration violated Articles 3 and 4 GG; its reasoning is directly relevant to similar public-contract and grant clauses.

2023

Munich kindergarten case

A funding-linked declaration was removed after litigation citing the 2022 Federal Administrative Court ruling.

2026

BayVGH clarification

Scientology membership alone does not automatically establish unreliability; authorities require individualized assessment based on concrete facts.

Mythos gegen Belege

Die Rechtfertigungen direkt beantworten

The stronger version confronts the public justifications one by one and replaces them with the legal and evidentiary record.

Behauptung

“This protects public contracts.”

Beweise

Neutral contract-protection clauses can address fraud, conflicts, capacity and performance. A named-religion declaration is not necessary to protect contract delivery.

Behauptung

“It is only about conduct, not religion.”

Beweise

The forms identify Scientology, L. Ron Hubbard technology, courses or dissemination. That converts a neutral procurement process into belief- and association-screening.

Behauptung

“Courts have not settled the issue.”

Beweise

The Federal Administrative Court ruled in April 2022 that a public benefit could not be conditioned on a Scientology-related declaration; the reasoning is directly relevant to similar public-contract and grant clauses.

Behauptung

“Surveillance justifies the clauses.”

Beweise

Court findings cited in the report found no factual indicators or “nothing evident” after years of surveillance material. Suspicion cannot replace individualized evidence.

Behauptung

“It affects only companies.”

Beweise

Severe variants reach employees, subcontractors, deployed persons, grant recipients, security-sensitive roles and other administrative procedures.

Behauptung

“The TED numbers show the whole problem.”

Beweise

TED captures only above-threshold public notices. Annex-only documents, local lower-value contracts and employment or grant contexts make the real scale larger.

Mitarbeiterfalle

Wie eine Vergabeklausel den Arbeitsplatz kontaminiert

Die eingriffsintensivsten Versionen enden nicht beim Auftragnehmer. Sie verlangen Zusicherungen über Mitarbeiter und Subunternehmer und machen private Arbeitgeber zu Glaubensprüfern.

1

Erzwungene Offenlegung

Mitarbeiter können gedrängt werden nachzuweisen, dass sie keine Scientologen sind und keine entsprechenden Kurse besuchen.

2

Disziplinarrisiko

Unternehmen können Mitarbeiter wegen glaubensbezogener Verdächtigungen entfernen, sanktionieren oder nicht einstellen.

3

Ausbreitung in Lieferketten

Die Verpflichtung greift auf Subunternehmer, Berater und Dienstleister über.

4

Kollektivstrafe

Der Bieter kann für private Überzeugungen von Personen bestraft werden, die nicht Vertragspartei sind.

Deshalb ist das Problem größer als ein einzelnes Formular. Es exportiert öffentliche Diskriminierung in private Arbeitsverhältnisse.

Historische Warnung

Historische Warnungen vor administrativer Ausgrenzung

Dieser Vergleich setzt Opfer, Regime oder Verbrechen nicht gleich. Er benennt ein wiederkehrendes administratives Muster: Zugang zu Arbeit, Bildung, Handel oder öffentlichem Leben kann von Identität, Zugehörigkeit oder ideologischer Erklärung statt von Verhalten abhängig gemacht werden.

📜 1933

Ariernachweise

Beschäftigte im öffentlichen Sektor, einschließlich Lehrer, mussten sogenannte „arische“ Abstammung nachweisen.

Reinheitstest Externe Quelle ↗
🏪 1938

Wirtschaftlicher Ausschluss der Juden

Juden wurden von Geschäften, Gewerben, Leitungspositionen, Märkten und Genossenschaften ausgeschlossen.

Wirtschaftlicher Ausschluss Externe Quelle ↗
⚖️ 1950

Treueerlass im öffentlichen Dienst

Beschäftigte im Bundesdienst konnten wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung von Organisationen belangt werden, die als verfassungsfeindlich galten.

BRD · Kontrolle politischer Treue Externe Quelle ↗
🛡️ 1972

Loyalitätsprüfungen

Kommunisten und angebliche Radikale wurden durch ideologische Abfragen aus dem öffentlichen Dienst gedrängt.

Politische Konformität Externe Quelle ↗
🎓 1977

Bildungs-Gatekeeping

Politisch kritische Studierende in der DDR konnten ausgeschlossen oder vom weiteren Studium abgehalten werden.

DDR · Ideologische Zugangskontrolle Externe Quelle ↗
✍️ Heute

Faith‑Breaker‑Klauseln

Menschen müssen Nicht‑Zugehörigkeit zu Scientology erklären, um Verträge oder Arbeit zu erhalten.

Negative Bekenntniserklärung Externe Quelle ↗
1933

Ausschluss aus dem öffentlichen Dienst

Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ermöglichte die Entfernung von Juden und politischen Gegnern aus dem öffentlichen Dienst.

1938

Wirtschaftliche Ausschaltung

Die Verordnung vom 12. November 1938 schloss Juden von Einzelhandel, Gewerbe, Märkten, Leitungsfunktionen und Genossenschaften aus.

1972

Radikalenerlass

Millionen Bewerber für den öffentlichen Dienst wurden überprüft; Tausende wurden ausgeschlossen oder entlassen.

1995

Hamburger Ursprung

Die moderne Scientology‑Faith‑Breaker‑Praxis wurde in Hamburg entwickelt und in Vergabe und private Wirtschaftspraxis exportiert.

2022

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

Das Bundesverwaltungsgericht erkannte diese Klauseln als unzulässige Differenzierung und gezielten Eingriff in negative Glaubensfreiheit.

2024

Rekordfortsetzung

Zwei Jahre nach dem Verbot erreichten TED‑Bekanntmachungen den höchsten dokumentierten Stand.

Faith-Breaker-Zeitleiste

Drei Jahrzehnte Widerstand

Vom Hamburger Ursprung 1995 bis zum Rekordhoch 2024 — ein Muster systematischer Nichtbefolgung beim Einsatz von Faith-Breaker-Klauseln gegen Scientologists.

1995

Der Ursprung

Ursula Caberta begründet in Hamburg die “Sektenfilter”-Praxis, um eine “Unterwanderung der deutschen Wirtschaft” zu verhindern.

Bitter Winter
Oktober 1996

Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung

Die offizielle bayerische Bekanntmachung (Az. 476-2-151) und die Vorlage der “Schutzerklärung” werden herausgegeben.

PDF ansehen
15. Dezember 2005

Erstes Verbot — begrenzt

Das Bundesverwaltungsgericht untersagt die Bewerbung von Sektenfiltern in Krüger gegen Hamburg.

BVerwG 7 C 20.04 ↗
2006–2017

Zweiter Hamburger Rechtsstreit

Elfjähriger Rechtsstreit, einschließlich eines Ordnungsgeldes von 5.000 € gegen Hamburg wegen Missachtung gerichtlicher Verfügungen.

4. März 2021

“Nichts ersichtlich”

Ein Gericht in Baden-Württemberg stellt fest, dass über 10 Jahre “nichts ersichtlich” für verfassungsfeindliche Aktivitäten sei.

HRWF-Bericht
6. April 2022

Endgültiges Verbot

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet, dass Sektenfilter eine “unzulässige Differenzierung” darstellen und Artikel 3 und 4 GG verletzen.

Gerichtsentscheidung ↗
2024 — Rekordhoch

621 Ausschreibungen

Höchster jemals verzeichneter Jahreswert — zwei Jahre nach dem Verbot; 44% Anstieg gegenüber 2022.

Auf TED prüfen ↗
EU‑Akte

Was Deutschland Brüssel sagte

EU‑Korrespondenz behandelte die Klausel als grundrechtliches Problem, das Rechtfertigung und Verhältnismäßigkeit verlangte. Deutsche Behörden stützten sich auf eine „Infiltrations“-Erzählung und Inlandsgeheimdienstbewertungen, doch der praktische Zweck war Mitgliederidentifizierung und Ausschluss.

Wie dies aufgedeckt wurde

Durch Verfahren auf Zugang zu Dokumenten zur Aufdeckung von Diskriminierung erhielten Kirchenvertreter Korrespondenz der Europäischen Kommission zu deutschen Faith‑Breaker‑Klauseln. Die Akte ist bedeutsam, weil sie zeigt, dass das Thema in Brüssel als Grundrechtsproblem behandelt wurde, während deutsche Behörden sich auf umstrittene „Infiltrations“-Narrative und Rechtfertigungen stützten, die durch Beweise und spätere Gerichtsurteile ernsthaft erschüttert werden.

EU‑Bedenken

Grundrechtseingriff

Die Klauseln wurden als mögliche Eingriffe in Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit sowie Nichtdiskriminierung bewertet.

Deutsche Rechtfertigung

Die „Infiltrations“-Erzählung

Behörden stützten sich auf Behauptungen wirtschaftlicher Einflussnahme durch Management, Personalberatung und Coaching.

Kritisches Eingeständnis

Mitgliederidentifizierung

Die Erklärung hilft festzustellen, ob ein Dienstleister Mitglied von Scientology ist, damit Ausschluss folgen kann.

Widerlegung

Warum das „Infiltrations“-Argument scheitert

Gerichte und Rechtsstandards verlangen Beweise, Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit. Die Rechtfertigung bricht bei dieser Prüfung zusammen.

Behauptung

„Dies schützt Verträge vor unzulässigem Einfluss.“

Aktenlage: Eine neutrale Schutzklausel würde Verhalten während der Vertragserfüllung regeln. Diese Klausel regelt Identität, Glauben, Kursbesuch und Zugehörigkeit.
Behauptung

„Das ist keine religiöse Diskriminierung.“

Aktenlage: Der Wortlaut benennt eine Glaubensgemeinschaft und verlangt Distanzierung von ihr. Das ist gerade eine glaubensbezogene Unterscheidung.
Behauptung

„Die Klausel ist nur eine Ausführungsbedingung.“

Aktenlage: Die Klausel identifiziert Mitglieder, damit Ausschluss folgen kann; Gerichte charakterisierten sie als gezielten Eingriff in negative Glaubensfreiheit.
Behauptung

„Sie ist verhältnismäßig.“

Aktenlage: Der pauschale Ausschluss einer benannten Glaubensgruppe ist nicht das mildeste Mittel. Verhaltensbezogene neutrale Klauseln stehen ohne Weiteres zur Verfügung.
Fünf Dimensionen des Schadens

Der Schaden ist strukturell

Faith‑Breaker‑Klauseln erzeugen nicht nur einen engen Einzelfehler. Sie wirken gleichzeitig auf mehreren Rechte- und Institutionsebenen.

1

Direkte Diskriminierung

Sie teilen Bieter und Arbeitnehmer nach einer benannten Religion oder Weltanschauung.

2

Negative Glaubensfreiheit

Sie drängen Menschen, Glauben und Zugehörigkeit offenzulegen oder zu verneinen.

3

Sensible Daten

Sie drängen Arbeitgeber, glaubensbezogene Daten über Personal und Subunternehmer zu verarbeiten.

4

Kontamination der Beschäftigung

Sie exportieren öffentliche Diskriminierung in private Beschäftigung und Lieferketten.

5

Missachtung des Rechtsstaats

Ihre Fortsetzung nach Gerichtsurteilen untergräbt gerichtliche Autorität und EU‑Werte.

Aktionsplan

Was jetzt geschehen sollte

Die Abhilfe ist klar: Identitätstests beenden, durch neutrale Verhaltensregeln ersetzen und Gerichtsentscheidungen in Vergabe, Fördermitteln, Schulen und öffentlich finanzierten Trägern durchsetzen.

1

Sofortige Beendigung

Alle Faith‑Breaker‑Klauseln aus öffentlichen Vergaben, Fördermitteln, Schulverträgen und Beschäftigungsvorlagen entfernen.

2

Compliance‑Audit

Bundes-, Landes- und Kommunalformulare auf Scientology‑spezifische Erklärungen und Glaubensprüfungen durchsuchen.

3

Neutrale Ersetzung

Verhaltensbezogene Klauseln verwenden, die Proselytismus, Zwang, Diskriminierung und Missbrauch des Arbeitsumfelds durch jede Gruppe verbieten.

4

Datenschutzprüfung

Keine sensiblen Glaubensdaten ohne rechtmäßige, notwendige und verhältnismäßige Grundlage erheben.

5

Schulung

Vergabestellen, Schulbehörden und öffentlich finanzierte Träger zu Gleichbehandlung und Glaubensfreiheit schulen.

6

Rechtsbehelf

Wirksame Rechtsbehelfe für Personen und Unternehmen bereitstellen, die ausgeschlossen, abgeschreckt oder unter Druck gesetzt wurden.

Die verfassungsrechtliche Quintessenz

Ein demokratischer Staat darf rechtmäßiges Verhalten verlangen. Er darf Menschen nicht zwingen, eine Distanzierungserklärung von einer benannten Religion oder Weltanschauung zu unterschreiben. Die Faith‑Breaker‑Klausel ist keine Kinderschutzregel, keine Vergabequalitätsregel und keine neutrale Anti‑Proselytismus‑Regel. Sie ist ein Glaubenstest.

Beweisbibliothek

Quellen und Rechtsgrundlagen

Ausgewählte Quellen und dokumentarische Anker für diese Präsentation.

TED

Reproduzierbare Überprüfung: TED‑Methodik

Alle Datensatzzählungen können unabhängig über die offizielle öffentliche Suchoberfläche von TED reproduziert werden. TED ist die EU‑Datenbank Tenders Electronic Daily für öffentliche Vergabebekanntmachungen.

Offizielle TED‑Suche öffnen →
1

Offizielle TED‑Suche öffnen

Nutzen Sie das öffentliche TED‑Suchportal und arbeiten Sie mit der offiziellen Bekanntmachungsdatenbank, nicht mit Screenshots oder Sekundärzusammenfassungen.

2

Datumsfilter Jahr für Jahr anwenden

Setzen Sie für jedes Kalenderjahr den Veröffentlichungszeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember und notieren Sie die jeweilige Gesamtzahl.

3

Relevante Suchbegriffe verwenden

Suchen Sie nach Scientology, Scientologie und L. Ron Hubbard und prüfen Sie, soweit verfügbar, Bekanntmachungstext und Anhänge.

4

Bei Bedarf auf Deutschland begrenzen

Filtern Sie nach deutschen Auftraggebern oder deutschlandbezogenen Bekanntmachungen, wenn der deutsche Datensatz reproduziert wird.

5

Prüfspur sichern

Speichern Sie Suchparameter, Ergebniszahlen, verfügbare Exporte sowie datierte Screenshots/PDFs, damit die Zählung unabhängig überprüft werden kann.

Da TED vor allem Bekanntmachungen oberhalb der EU‑Veröffentlichungsschwellen erfasst, ist der Datensatz konservativ zu verstehen. Niedrigere lokale Vergaben, nicht in TED veröffentlichte Vergabeakten oder private Beschäftigungsformulare sind nicht zwingend enthalten.